Renovierung und Umbau Bubikerhaus
Objekt: Planerwahlverfahren im selektiven Verfahren, 2. RangStandort: Bubikerhaus Herrenberg 44, Rapperswil
Bauherrschaft: Stadt Rapperswil
Realisation: 2021
Mitarbeit: Lukas Felder, Jan Gollob
Wohnen mit offenen Türen
Ausgangslage
Das im 13. Jahrhundert erstellte - heute als bedeutendes kantonales Denkmalschutzobjekt eingestufte - altehrwürdige Bubikerhaus in der Rapperswiler Altstadt wird für eine weitere Nutzungsdauer instandgestellt und das Dachgeschoss um eine zusätzliche Wohneinheit ausgebaut. Als gewichtiger Zeitzeuge der frühesten Stadtgeschichte kommt dem Gebäude eine besondere Bedeutung bei. Die längs durchs Haus verlaufende alte Stadtmauer und die vollständig erhaltene originale Dachkonstruktion stellen dabei eine Besonderheit dar.
Umgang mit der bestehenden Substanz
Vorhandene Qualitäten eruieren, freilegen und sichern. Gegenüberstellung und Überlagerung von Alt und Neu. Eingriffe als Ergänzung und Bereicherung des Bestandes.
Herausforderungen
Wunsch: Zeitgemässe Nutzung in historischer Architektur. Problem: Nutzungsänderung darf sich gegen aussen nicht merklich abzeichnen mit Folge zu kleiner Fensterflächen. Reaktion: Konflikt in Qualität umwandeln. In der Dachfläche bestehende Lichtquellen aktivieren und diskret vergrössern; Das wenige Licht optimal verteilen; Binnenräume verbinden - Wohnen mit offenen Türen; Entrée als Lichthof.
Parameter als Erfolgsfaktoren
Für die vorgesehene Wohnnutzung hat das Bubikerhaus - neben den bekannten Mängeln wie fehlende Balkone und spärliche Befensterung des Dachraumes - folgende gewichtige Qualitäten vorzuweisen: Prominente Zentrumslage. Wohnen in der Altstadt, zuoberst auf dem Stadthügel mit viel Ruhe und Weitsicht. Grosszügigkeit der Innenräume. Eingangshalle zur offenen Treppe, Geschosswohnungen mit Halle und überhohen Räumen, Duplex im Dach mit viel Raum und Volumen. Historische Bausubstanz. Als solide Basis, Vorbild mit Charakter und spannungsvoller Hintergrund für das Neue.
Reorganisation Wohnhaus und Dachausbau
Gemeinsames Erdgeschoss.
Geschosswohnungen in Varianten.
Dachwohnung als Duplex mit Halle und Kammern.
Räumliche Organisation Dachwohnung
Entsprechend den Geschosswohnungen eignet sich auch die Dachwohnung mit 3 abschliessbaren Zimmern und Homeoffice auf der Galerie für eine Familie oder (Alters-)WG.
Tragwerk und Kammerung
Das Holztragwerk (zwischen die Giebelmauern gespannte liegende Binder mit Kehl- und Hahnenbalken, Sparrenwerk mit Aufschieblingen, Windverband mit Andreaskreuzen) bestimmt das Dachvolumen in seiner räumlichen Ordnung und unterteilt dieses (zwischen den Giebelmauern durch Binder gedrittelt, in der Höhe durch Kehlbalken halbiert) in Raumkompartimente. Das über dem Treppenhaus zum First aufsteigende Oblicht bildet ein weiteres markantes raumbildendes Element.
Struktur und Einbau
Die Unterteilung des Dachraumes in einzelne Zimmer, erfolgt durch Trennwände in Holzleichtbauweise, welche Bezug nehmen auf die primäre Holzkonstruktion mit Bindern und Sparren. Die quer zum Tragwerk liegenden Trennelemente enthalten Schränke und die aufgeschlagenen Türblätter. Die bestehende Trennwand unter dem ersten Binder mit Ständern und Bohlenbrettern bleibt teilweise erhalten und wird in die neue Raumeinteilung integriert.
Licht und Ausblick teilen und verteilen
Je nach Tageszeit und Befindlichkeit lässt sich die Wohnung durch Öffnen und Schliessen der Türen und Fensterläden in den Trennwänden von einer offenen Halle zu geschlossenen Kammern umwandeln. Das wenige Licht der Giebelwandfenster, der Dachlukarnen und des Treppenhausoblichtes, wird einerseits präzise den einzelnen Zimmern zugeordnet und andrerseits mittels der Öffnungen bei Türen und inneren Fenstern im ganzen Dachvolumen verteilt; Es entstehen Quer- und Ausblicke.
Wohnhalle mit räumlichem Schwerpunkt
Mit der neuen Treppe ins Kehlgeschoss und dem bestehenden Kamin mit neuer Feuerstelle, entsteht ein wohnliches Ensemble als markantes Gegenüber zum bestehenden Treppenhausturm mit Oblicht.
Gestaltungsvorschlag Lukarnen Dachfläche Belichtung
Die Grösse und Form des Dachraumes ist nicht aus dem Bedürfnis einer Nutzung, sondern als Folge der Dachkonstruktion entstanden (aus Jahresbericht 2014 Denkmalpflege Kanton St. Gallen, Dachlandschaften). Der Konflikt zwischen dem Wunsch nach einer zeitgemässen Gebäudenutzung (Verdichtung der Innenstädte) und dem Erhalt des historischen Stadtbildes, bedingt eine sorgfältige Anpassung der bestehenden baulichen Elemente. Das Projekt respektiert die Vorgabe zur Vergrösserung der beiden Schleppgauben auf der Süd- (3-er) und Nordseite (1-er) und reagiert mit einer entsprechenden Grundrissdisposition; Zimmer auf Südseite kann durch zeitweises Öffnen der Türen (Schiebe- und Doppelflügel) dem Wohnbereich zugeschlagen werden.
Ausbildung der Lukarnen
Die vergrösserten Schlepplukarnen mit Eindeckung in Bieberschwanzziegeln und Verkleidung der Seiten in Kupferblech oder dunkel gestrichenen Holzplatten sind möglichst diskret in die Dachhaut integriert. Nur die Fensterseiten, zum grösstmöglichen Lichteintrag in schlanker Konstruktion und feinen Fensterprofilen detailliert, lassen in ihrer eleganten Abstraktheit den Eingriff im Innern erahnen. Die südliche, über drei Sparrenfelder verbreiterte Lukarne, verzichtet auf Abstützungen in der Fensterebene (Sturzkonstruktion in Dämmebene integriert). Die Fensterleibungen seitlich und im Sturzbereich öffnen sich konisch verjüngend nach aussen zum Licht. Im Innern wirken die in hell-glanz gestrichenen vertäferten Seiten als Lichtfänger und Reflektoren (bei Nordlukarne einseitige Vespiegelung denkbar).
Dachsilhouette und Dachränder
Das Ortdetail an der Westfassade wird als Folge der Aufsparrendämmung (erwünschtes Sichtbarlassen der vollständigen Dachkonstruktion im Dachraum) neu erstellt. Eine zur ostseitigen Giebelwand des Stadtmuseums analoge - bündig mit der muralen Aussenmauer gesetzte - Ausformulierung, ist (als Referenz an den ehemals vorhandenen Treppengiebel) durchaus denkbar.






