Lukas Felder dipl. Architekt ETH Sia
Ankerstrasse 3
CH-8004 Zürich
T +41 44 240 10 60
M +41 79 753 55 85

Rahmenvertrag Altstadtliegenschaften _ Zugang zur Aufgabe

Objekt: Planerwahlverfahren im selektiven Verfahren, Zuschlag
Standort: Leuengasse 21 / Spiegelgasse 27, 8001 Zürich
Bauherrschaft: Liegenschaften Stadt Zürich
Realisation: 2022
Mitarbeit: Lukas Felder, Sophia Berdelis

Doppelhaus mit Geschichte

1291 hiess die heutige Leuengasse noch Salzgasse, nach Reformation ‚Gessli, so man zur elenden Herberg gat‘

1589 ‚Löwengässlein‘

1637 ‚Am kleynen Saltzmerkt, genannt das Löüwengässlein‘

1937/38 Abbruch Häusergeviert zwischen Leuengasse und Spiegelgasse zwecks ‚Altstadtsanierung‘

1958/59 Neugestaltung ‚ungeordnete Platzfläche‘ inklusive Platzierung Brunnen der Pelikan-Häuser

Haus Leuengasse 21 -  seit 18. Jahrhundert ‚zum Schneeberg‘ -  Kernbau erbaut 2. Hälfte 13. Jahrhundert
1300 mutmasslich im Besitz Barfüsserkloster, danach Wohnhaus mit wechselnden wohlhabenden Eigentümern

1570-74 bedeutende bauliche Massnahmen

1576 Stadtprospekt von Jos Murer (Murerplan), mit Tor zum Hof

1883 Südseitiger dreigeschossiger Neubau (Spiegelgasse 27)

1989-90 Renovation und teilweiser Innenumbau

 

Neugestaltung Fassade zum Leuenplatz

Fenster zum Platz

Das 1883 erbaute Haus Spiegelgasse 27, zeigt bis heute eine auffallend geschlossene Seitenfassade zur ehemals engen Gasse, welche seit dem Abbruch des vorgelagerten Häusergevierts eher befremdend wirkt. Mit dem neuen Schaufenster zum Leuenplatz, erhält das Haus Spiegelgasse 27 nun ein angemessen prominentes Gesicht zum öffentlichen Platz. Als geschichtliche Referenz zwinkert das auf dem Murerplan ersichtliche Rundbogentor zum ehemaligen Hof.

Die Architektur des Schaufensters, orientiert sich dezent an der klassizistischen Sprache des 1883 errichteten Gebäudes - wie übrigens etliche andere ‚Schaufensterarchitekturen‘ in der näheren Umgebung -, und versucht diese, über eine abstraktere Lesart von Proportion, Material und Farbe, neu zu interpretieren.

Ein aufgesetzter Blendrahmen in bemaltem Holzwerk ‚vergrössert‘ die heutige gedrungene Öffnung des Garagentores, zugunsten einer prominenteren Erscheinung. Die Anordnung, von fassadenbündigem, eingemittet unter die Fensterachse gesetzten Schaukasten und zurückversetzter Türe, verhilft der Fassade zu einem ausgewogenen Gesamtbild. Optional würde ein zusätzliches - heute fehlendes - Fenster im 1. Obergeschoss auf der rechten Seite dies noch unterstützen.

Der sommerliche Wärmeschutz, wird mittels einer aussen sichtbar aufgesetzten Knickarmmarkise mit Stoffrollo erreicht; diese unterstützt über einen Farbakzent die Sichtbarkeit des neuen Ladenlokals. Die Durchgangshöhe ist wegen der geringen Erdgeschosshöhe und der direkt darüber liegenden Fenster eher knapp bemessen (unter der gesetzlichen Norm) und muss in der weiteren Bearbeitung beachtet werden. 

 

Bessere Nutzung brachliegender Räume

Räume mit Potential

Im Haus Leuengasse 21 (Haus Nord) 

Kellerraum ehemaliger Weinkeller; ursprünglich über Aussentreppe im Hof durch Rundbogenportal in der Südfassade erschlossen (bis Erstellung südseitiger Neubau von 1883). Raum im Erdgeschoss; mit (neuzeitlichem) Abgang ins Kellergeschoss; ohne Treppe ins Ober-

geschoss. Raum im 1. Obergeschoss; auch heute nur ‚von aussen‘ über Treppe im Haus Spiegelgasse 27 (Haus Süd) erschlossen; Hinweis auf ehemalige Erschliessung durch einen Hocheingang über Aussentreppe vom Hof aus. 

Die gewünschte gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss Haus Süd, wirft die Frage nach der künftigen Nutzung der oben genannten Räume auf. Je nach Zuordnung der Räume zur Gewerbe- oder zur Wohnnutzung, wird eine neue, zusätzliche Erschliessung des Keller-

geschosses notwendig. Die im Projekt dargestellte Erschliessung - mit offener Wendeltreppe im Ladenlokal, sowie Ersatz oder Ergänzung der heutigen einläufigen Treppe zum Weinkeller und den Nebenräumen -, macht bei einer teilweisen oder vollständigen Zuordnung beider Kellerräume (Haus Nord und Haus Süd) zur Gewerbenutzung Sinn. Die optimale Ausformulierung muss in der weiteren Gesamtbetrachtung - Nebenräume Wohnungen; Nutzung Erdgeschoss Leuengasse 21; Fluchtwegkonzept ganze Liegenschaft- diskutiert und entschieden werden.

 

Bauen in der Altstadt _ Baulogistik

Zugang, Umschlagplatz und Baustelleneinrichtung

Wegen der fehlenden eigenen Umgebungsfläche, soll mindestens ein Teil der Installationsfläche in zur Verfügung stehenden Räumen im Haus untergebracht werden. Im Erdgeschoss Einrichtung kompakter Vorbereich entlang Fassade zum Leuenplatz ( Durchfahrt gewährleis-

tet ) mit Zugängen, Gerüst mit Lastaufzug, Muldenstandplatz bzw. Umladfläche auf Kleinlastwagen und sanitären Einrichtungen, sowie Teilbereich Innenraum Haus Nord mit Aufenthalts- und Lagerbereich. Im 3. Obergeschoss Beanspruchung Teilbereich Terrasse als Um-

schlagplatz und Zugang in die Obergeschosse. 

 

Bauen in bewohntem Zustand

Der Zugang vom Leuenplatz in die bewohnten Obergeschosse ist während der ganzen Bauzeit ohne Einschränkung über die gewohnte Erschliessung gewährleistet. Der Ladenzugang an der Spiegelgasse ist nicht betroffen. Die Arbeiten im Erd- und Untergeschoss, sowie am Dach und der Terrasse, sind unabhängig von den Obergeschossen durchführbar. Die Arbeiten in den bewohnten Teilen des Hauses, werden pro Einheit in möglichst einer Etappe ohne Unterbrechung durchgeführt. Die haustechnische Versorgung sämtlicher bewohnten Räume, wird mittels entsprechender Provisorien durchgehend gewährleistet.

 

Bilder © Sophia Berdelis









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